Raum «Afrika-Zürich»

Seit dem späten 19. Jahrhundert finden umfangreiche und vielfältige Sammlungen ihren Weg nach Zürich. Im Falle einiger hier vorgestellter Museen und Institutionen bilden sie gar den Grundstein neuer Sammlungsinstitutionen, so die afrikanischen Herbarien des 1895 gegründeten Instituts für Systematische Botanik oder die Sammlungen der 1888 gegründeten Ethnographischen Gesellschaft. Pflanzen, Ethnographica, Skulpturen, Masken, Fotografien und vieles mehr zeugen von einem rasch zunehmendem Interesse von Zürcher Sammlerinnen und Sammler, sich Afrika, seine Gesellschaften und Landschaften anzueignen, zu dokumentieren und in wissenschaftliche Ordnungs- und Wissenssysteme einzubinden. Wissenschaft und Kunsthandel scheinen in Zürich neuen Experten wirkungsvolle und öffentliche Handlungsfelder zu bieten, um in der Konkurrenz mit Institutionen europäischer Kolonialmächte bei der Wissensaneignung mitzuhalten. Auch in Zürich bedienen sich diese sog. Afrikaforscher des Kulturrelativismus und der Zivlisationskritik und den Ideologien des Exotismus und Primitivismus.

Afrika, so unterschiedlich es auch in den Sammlungen erscheint, bleibt Objekt der Betrachtung, Aneignung und Interpretation. Dies gilt ebenso für Afrikanerinnen und Afrikaner, die zu anthropologischen Typen, fotografischen Sujets oder anonymen Repräsentaten exotischer Kulturen klassifiziert werden. Die Subjekte der Sammlungen sind die Zürcher Sammlerinnen und Sammler, Wissenschafter und Mäzene und die verschiedenen Zürcher Öffentlichkeiten.

Diese Perspektiven, welche in den historischen Machtbeziehungen zwischen europäischen Metropolen und dem afrikanischen Kontinent begründet sind, durchziehen die Ausstellung und das metarchive, machen sie zugleich transparent und kommentieren sie kritisch.